Was aber weniger daran liegt, dass wir nix erleben, als vielmehr am fehlenden Internetzugang.
Wo fang ich am besten an zu erzählen? Mmh vielleicht mir letzter Woche Mittwoch.
Also Mittwoch 19.3.
Unsere lieben und anständigen Mitbewohner, die angeblich am 15. Schon ausziehen sollten, waren, komischer weise, immer noch da. Und sie machten auch keinerlei Anstalt zu gehen, auch das war natürlich total komisch… jedenfalls kam der Vermieter, der jeden tag seit dem 15. Kam und meinte, heut würden sie wirklich ausziehen. Josi und ich nickten uns nur zu, denn uns war klar, dass dies mal wieder ein leeres versprechen war. Der Nachmittag ging ins land. Josi schrieb fleißig ihre Hausarbeit, ich spielte fleißig tetris, unsere Mitbewohnerin raucht fleißig und sah dabei laut und lange fern. So gegen 19uhr (eigentlich hätten wir jetzt auch mal für ne stunde in die verräucherte Küche gedurft) kam der Vermieter wieder und wunderte sich: sind sie denn immer noch da? Mmh, das hat ihr wohl nicht recht gefallen. Jedenfalls, ist sie völlig ausgerastet und hat ihn wild beschimpft (wir konnten viel Neues lernen!) und Stühle umgeworfen, Teller nach ihm geschmissen und dann fingen sie an sich zu prügeln. Ganz so cool, wie ich das hier schreibe waren wir dabei natürlich nicht. Ehrlich gesagt, saßen wir völlig verängstigt in unserm Zimmer und trauten uns nicht mal aufs Klo. Irgendwann hat sie dann doch gepackt und dabei das halbe Inventar mitgehen lassen. Jedenfalls sind sie jetzt weg.
Donnerstag 20.3.
Wir haben Mama vom Flughafen in Florenz abgeholt und sind durch das sonnige Florenz spaziert, waren hier ein bisschen shoppen und dort mal nen Kaffee trinken. Abends ging es dann ins Acqua al 2 zum Lackklotz essen und dann zurück ins schöne Arezzo. Mama freute sich natürlich ungemein, in so ein schönes, ordentliches (ihr müsst nicht denken, dass irgendwer den Dreck vom Vortag weggeräumt hatte) bed & breakfast zu kommen.
Ostern
fiel dieses Jahr sehr feucht aus. Aber wir hatten endlich mal zeit vom winde verweht zu sehen und ein bisschen Kultur gab es auch. Ich bin ein bisschen krank geworden und der ewige Regen und die nassen Schuhe und die nicht funktionierende Heizung taten ihr übriges.
Monatag 24. 3.
Wir haben ein neues Zimmer in Siena. Nicht gerade billig, aber dafür im Zentrum, mit Internet und funktionierender Heizung. Das Doppelzimmer wird erst ab 21. Mai frei. Bis dahin habe ich ein Einzelzimmer und Josi teilt sich ein Zimmer mit einer Italienerin. Vorteil an dieser neuen Wohnung ist auch, dass die Vermieter nicht so genau drauf gucken, wenn mal besuch da ist (auch über Nacht). Das heißt Eric und Rese müssen zumindest nicht unter der Brücke schlafen
Dienstag 25. 3.
Unsere Lehrerin vom Sprachkurs an der Uni hatte uns zu einem Abendessen in ihr haus eingeladen. Das haus war der Hammer. Mindestens 4 Stockwerke und voller schicker antiker Möbel, hochmoderne Küche und sogar nen Fahrstuhl. Essen war auch sehr lecker und wir wurden ordentlich gemästet.
Außer den drei Amerikanerinnen waren noch 2 Französinnen, ein Kubaner und einer aus Bosnien-Herzegowina dabei. Der hat ein paar wirklich interessante Dinge erzählt. Er lebt in einer Burg in der nähe von Arezzo, zusammen mit anderen Jugendlichen aus Kriegsregionen, also Serben, Kroaten, Palestinänsern, Kosovoalbanern etc. Jedenfalls ist es so eine Art Friedensprojekt, in dem verfeindete Volksstämme zusammen leben. Ist jetzt ein bisschen kurz abgerissen, aber er hat so schnell gesprochen, dass ich auch nicht alles verstanden habe, Er studiert Journalismus und spezialisiert sich gerade auf Marketing Management. Sehr interessanter Typ. Wir haben jetzt eine sms Freundschaft.
Mittwoch-Donnerstag
Ich lag krank im Bett, mit Halsweh, Kopfschmerzen und ein bisschen Fieber. Gestern musste ich mich sogar übergeben. Wir haben versucht einen Arzt zu finden, aber die Frau im Erasmusbüro konnte uns auch nicht wirklich weiter helfen und bevor ich wieder zig tausend von Antibiotika ausprobiere, bis ich endlich einen finde, der wirkt, hab ich beschlossen es einfach aus zu sitzen. Da kamen mir gleich wieder Paulas Worte ins Ohr, dass solche Krankheiten meist psychosomatisch sind und ich jetzt wahrscheinlich einfach den Hals voll habe von dieser Stadt und alles zum kotzen finde. Könnte was dran sein.
Der schwarze Freitag 28. 3.
Heute sollte eigentlich Teja kommen und unsere Fahrräder abholen und nach Siena bringen. Doch nachdem Josi heut morgen zur Uni fahren wollte und die Fahrräder verschwunden waren, konnten wir ihm wieder absagen. Irgendwer hat wohl heut Nacht unsere liebsten stücke einfach geklaut. Ich will ja nicht nur meckern, aber ne Glückssträhne haben wir auch nicht direkt. Ich mein, wieso werden diese blöden Räder ausgerechnet an dem tag geklaut, an dem sie in Sicherheit gebracht werden sollen? Alles komisch hier.
Josi zieht morgen schon aus. Sie hat es gut. Aber ich hab es ja ab morgen auch nicht gerade schlecht, denn dann bekomm ich endlich besuch!






